Frohe Ostern oder?!?

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Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon snow » 10.04.2009, 21:40

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Vom rohen Kerl zur Rohkost

Schäfer Günter Garbers hat mit dem Schlachten aufgehört
Schafe genießen bei Günter Garbers ihr Gnadenbrot. Der Schäfer verkauft stattdessen auf Hamburger Märkten Bio-Gemüse.Fotos: Stahl
Weitere Bilder zu diesem Artikel10.04.2009 · ASENDORF (vs) Die Idylle ist eine Lüge. Wenn die Medien zu Ostern Fotos von süßen Lämmchen verbreiten, die von Kinderhänden gestreichelt werden, ist den süßen Kuscheltierchen längst die Kehle durchgeschnitten worden.

"Der Beruf des Schäfers verroht die Menschen", sagt Günter Garbers. Eine Aussage, die erstaunt - denkt man bei Schafhirten eher an Eigenschaften wie friedfertig, naturverbunden oder (lamm)fromm. "Alles Quatsch", meint Garbers, "das sind Klischeevorstellungen, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun haben." Der 57-Jährige weiß, wovon er spricht, denn er selbst ist ausgebildeter Schäfer. Seinen Beruf hat der Hirte aber aufgegeben. Er verkraftete es nicht mehr, seine Tiere zu töten oder auf die Schlachtbank zu verfrachten. Heute gewährt er 70 Tieren das Gnadenbrot.

Günter Garbers hat eine typische Sozialisation auf dem Land durchlaufen. Er wuchs als Sohn eines Landwirtes in Asendorf bei Jesteburg (Kreis Harburg) auf. Nach der Schule und einer Gärtnerlehre studierte er Landschaftspflege. 1974 baute er sein Diplom, heuerte anschließend bei einem renommierten Hamburger Planungskontor an. Ein Jahr später hatte er "von der Büroluft und den stinkenden Autoabgasen" die Nase voll und kündigte: "Ich kam vom Land und konnte den Großstadtmuff nicht ertragen." Garbers tauschte die Metropole gegen die Provinz. Auf einer Weide im Spessart begann er die Ausbildung zum Schäfer: "1980 stand ich dann zum ersten Mal auf dem Deich." Doch irgendwann konnte Garbers das Töten nicht mehr ertragen. Sein Gesinnungswandel setzte Mitte der 1980er Jahre sein: "Ich war damals mit einer Vegetarierin zusammen, die mein Bewusstsein im Umgang mit Tieren geschärft hat." Einmal habe sie ihn gefragt, ob er sie mit seinen blutverschmierten Händen überhaupt noch anfassen möge - "Das hat gesessen." Bald darauf hatte er einen Scheck über 15000 Euro in der Tasche, nachdem die Lämmer in den Lastwagen verladen worden waren. "Aber ich hatte auch Tränen in den Augen", sagt Garbers. In diesem Moment habe er realisiert, dass er sein Leben ändern müsse. Der knorrige Hirte gab seinen Beruf auf und lebt seitdem vom Verkauf von Bio-Gemüse auf Wochenmärkten in Winterhude und Wilhelmsburg.

Seine wuscheligen Rasenmäher haben schon lange als Fleischlieferanten ausgedient - sie dürfen bis zu ihrem natürlichen Tod weiterleben. Neben der Versorgung der Schafe engagiert sich der kauzige Bartträger für den Tier- und Klimaschutz. Garbers verteilt an Info-Tischen Material gegen Massentierhaltung, schreibt in der Lokalzeitung Leserbriefe gegen Schlachter, meldet sich in Radiodiskussionen zum "Klimakiller Methan" zu Wort und nimmt an Tiergottesdiensten teil. Als wortgewaltiger Kronzeuge gegen "mordlustige Hobbyjäger" führt er in Talkshows ("Vera am Mittag") das Wort.

Garbers hat sich still aus der Schäferei zurückgezogen, ohne mit seiner Zunft lautstark abzurechnen: "Ich wollte kein Judas sein." Doch was er sich auf Nachfrage an Details über seinen Berufsstand entlocken lässt, treibt Zuhörern kalte Schauer über den Rücken. Er beschreibt die Mehrzahl seiner Ex-Berufskollegen als raue, bisweilen gefühllose Gesellen und verleugnet nicht, dass die Jahre als Schäfer auch ihm den Stempel aufgedrückt haben. Eines aber hat er aber nie gemacht: Hunde aufhängen. "Darüber redet nur keiner." Nicht gängige Hütehunde, wie sie im Fachjargon heißen, werden bisweilen erschlagen oder erschossen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Einigen Tieren wird die Kehle durchgeschnitten, andere werden an Bäumen aufgehängt.

Seit mehr als 20 Jahren isst der Renegat kein Fleisch mehr, seit 15 Jahren lebt er vegan: "Ich habe etwas gutzumachen."

Quelle: http://www.kreiszeitung.de/homesolo/00_20090410003359_Vom_rohen_Kerl_zur_Rohkost.html
lg, snow

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Re: Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon Dunni » 11.04.2009, 07:47

Hi,

wooow! :shock: *staun*
Es gibt tatsächlich doch noch Leute, denen das Töten der Tiere dann doch irgendwann nicht mehr egal ist...
Find ich gut, so ein Wandel ist doch aber sicher selten oder?! Also ich meine bei jemandem, der sein Geld durch die Tiere verdient...

LG

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Re: Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon snow » 11.04.2009, 09:43

Tja, ich denke auch, Günther ist ein Unikat.

Zeigt aber ja auf, dass es immer auch einen anderen Weg gibt.

Letztendlich hindert doch niemand einen Kuhbauern daran auf Bio-Veganen-Landbau umzusteigen. Für einen Landwirt dürfte das doch ein denkbar einfacher Weg sein (das jetzt nur so als ein Beispiel, gibt ja leider auch noch andere Berufe, in denen Tiere ausgebeutet oder ermordet werden).
lg, snow

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Re: Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon juna » 11.04.2009, 10:16

Ja, letztendlich haben wir alle die Wahl! Aber:

Letztendlich hindert doch niemand einen Kuhbauern daran auf Bio-Veganen-Landbau umzusteigen. Für einen Landwirt dürfte das doch ein denkbar einfacher Weg sein


Mhhh... so ganz einfach ist das dann leider doch nicht :? da gibt es einige bürokratische Hürden, schließlich sind wir hier in D., dem Land der Vorschriften :roll: Das fängt schon bei der Flächennutzung an... man darf aus dem Grünland, was ein Milchbauer braucht, um die Rinder zu ernähren, nicht einfach Ackerland machen.

Dabei vergessen darf man auch nicht, dass man nicht einfach von heute auf morgen aussteigen kann, denn das "Vieh" ist ja nunmal da... entweder man verpachtet/verkauft dann die Milchquote und sorgt somit indirekt weiterhin für den Fortbestand dieser Ausbeutung oder man versucht alle Tiere anderweitig unterzubringen. Auf Lebenshöfen bekommt man sicherlich nur die wenigsten unter, selbst finanzieren wird man den Unterhalt aller Tiere sicherlich auch nicht können, also kommt es dann wohl zum Ende mit Schrecken und man lässt all seine "Mitarbeiter" abschlachten :(

Meiner Meinung nach gibt es sehr wohl einen Weg heraus aus der Tierausbeutung, auch für Menschen, die davon leben, nur ist dieser eben gewiss weitaus steiniger, als für andere Menschen.
Keep "KUH"l!
juna

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Re: Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon snow » 11.04.2009, 11:42

Ja, aber all das bestätigt doch nur, es gibt keine Gründe nicht umzusteigen, höchstens Hindernisse und die können überwunden werden :wink:
lg, snow

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Re: Frohe Ostern oder?!?

Beitragvon Mink » 11.04.2009, 14:13

Günter ist ein Tropfen auf dem heißen Stein - aber ein bewundernswerter Tropfen und steter Tropfen höhlt den Stein.

Hoffen wir, dass mehr Menschen trotz aller Hindernisse zum "Tropfen" werden.

Frohe Ostern wünschen euch Emma und Eberhard, die garantiert nie geschlachtet werden sowie Mink und Co....

Liebe Grüße

Conny

http://fotos.web.de/elgbicher1/Frohe_Ostern


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